“In the beginning, well, I didn’t know
As time passed on still didn’t know
Well, I didn’t know, just couldn’t see
The memories of past failures
Like a shadow haunting me
But this time, this time
I’m gonna try it my way
I’m gonna live life my way”
[DJ SHADOW]
Kennt ihr das Gefühl, immer wieder in die gleiche Scheiße zu stolpern – sehenden Auges quasi? Ziemlich seltsam, was man sich im Lauf seines Lebens so für Angewohnheiten zulegt, die einem das Leben nicht gerade erleichtern. Und noch seltsamer, dass man nicht einfach in der Lage ist, dieses Verhalten zu ändern oder im besten Fall einfach abzustellen.
Das ist, wie wenn du weisst, dass der Sprung aus dem Hochhaus mit Sicherheit schmerzhaft wird (womöglich sogar tödlich endet) und du trotzdem springst – immer und immer wieder springst. Du kannst einfach nicht anders, es ist wie ein Sog. Fast vergleichbar mit einer Sucht. Nur dass es eben keine Droge ist, die einem den Kick gibt, sondern ein ganz bestimmtes Verhalten. Und der Kick muss nicht mal unbedingt schön sein. Man ist es nur einfach gewohnt und das Aufgeben dieser Gewohnheit wäre (zumindest zunächst) noch schmerzhafter, als die Konsequenzen derselben.
In der Fachliteratur nennt man diese Gewohnheiten Lebensfallen. Sie kennzeichnen eben genau dieses selbstschädigende Verhalten, welches man aber eben nicht einfach abstellen kann. Weil es einen das ganze Leben begleitet. Nun gibt es wohl für so ziemlich jeden Menschen die einoderandere Falle, in die er gerne einmal hineintappt. Nur, ganz viele Menschen finden intuitiv einen Weg, damit umzugehen oder haben in ihrem Leben gelernt (beigebracht bekommen), wie sie mit diesen Fallen leben können, ohne sich permanent die Knochen zu brechen (um mal in diesem Bild zu bleiben).
Und manche haben das eben nicht gelernt. Und die hängen dann oftmals ziemlich durch, brechen sich die Knochen, denken sich alle erdenklichen Pseudo-Airbags aus, die den Aufprall lindern sollen, wenn sie dann doch wieder springen, anstatt einfach nicht zu springen… Wenn man sich dieser Unzulänglichkeit bewusst wird, fällt es schwer zu beurteilen, was schmerzhafter ist: die Knochenbrüche oder die Erkenntnis über die Unzulänglichkeit, dieses Verhalten abzustellen. Warum lässt man sich von seinem inneren Teufel permanent verarschen anstatt einfach mal STOP!, NEIN!, FUCK YOU! zu rufen und dagegen zu halten.
Jeder kann sich vermutlich vorstellen, dass das Ändern eines Verhaltens, welches man sein ganzes Leben über kultiviert und quasi perfektioniert hat, nicht so ganz einfach ist. Zunächst einmal muss man für sich selbst einige Fragen beantworten, was schon nicht immer einfach und in den wenigsten Fällen schön ist:
Sind es wirklich die anderen, die Schuld daran haben, dass es mir schlecht geht, die mich schlecht behandeln? Oder bin nicht vielmehr ich selbst (durch mein Verhalten) schuld an meiner Situation? Und wenn ich selber schuld bin, warum bin ich so wie ich bin, warum agiere ich so? Brauche ich das vielleicht und will es mir nur nicht eingestehen? Warum gehen manche Menschen in ein SM-Studio und lassen sich auspeitschen und wie den letzten Dreck behandeln – und fühlen sich gut dabei/danach? Ist das nicht im übertragenen Sinne vergleichbar? Und wenn ja, ist das dann nicht krank oder gar verrückt? Und: wie oft, zum Teufel nochmal, muss ich noch in diese Falle tappen, bevor ich lerne, die Signale richtig zu deuten und dementsprechend zu handeln? Wie weh muss es erst tun??
Ich weiss noch nicht, welche Antworten ich auf alle diese Fragen habe, zu welchem Schluss ich gelangen werde. Eines weiss ich jedenfalls: dass ich nicht wieder springen will – glaube ich zumindest. Ich weiss aber inzwischen auch, dass das nicht-Wollen und das entsprechende Handeln zwei völlig verschiedene Dinge sind. Zu wissen, das man Dinge tut, die man eigentlich nicht tun will und außerstande zu sein, das abzustellen. Und das ist mal richtig schmerzhaft! Manchmal denke ich mir, es wäre vielleicht besser, nicht alles zu hinterfragen und anstelle dessen mit einer gewissen Tumbheit zu leben – wer weiss…
Aber irgendwann, eines schönen Tages…
“Standing at the edge of your life
at the edge of our lives
Don’t hold on
There’s no fighting back the years
So hard to unlearn fears
Now you’re caught in between
what you can’t leave behind
and all that you may never find
So fly, so fly, one time
So clearly, so clearly, so high
Fly one time
Just fly one time
If you fly one, one time”
[BEN HARPER & RELENTLESS 7]